London Calling

Unser Flug nach Delhi versprach uns gute 10 Stunden Zwischenstopp in London. Wie wunderbar!

Ich liebe England.
Und noch mehr liebe ich London, wenngleich London für mich nicht England ist:

London war und ist für mich immer größer, weltgewandter, kosmopolitischer. Ein Hort von Inspiration, eine Metropole, bei der ich nicht mehr aus dem Staunen gerate.

Seit Mitte/Ende der 90er Jahre ist London eine unheimlich wichtige Inspirationsquelle meiner: hiesige Musik, Mode und Kulinarik (bzw. Vegetarismus) beeinflussen mich seither sehr. Hier verfiel ich offbeatlastiger Musik, verliebte mich in die Melodien Strummers, lernte TwoTone, Reggae und Ska schätzen, traf auf Britpop und Indie. Hier schlägt mein musikalisches Herz. Selbst hiesige Populärmusik bekommt mich regelmäßig. So höre ich nirgendwo anders freiwillig so gerne Radio. Hand in Hand mit Musik wurde in London auch mein Modegeschmack geprägt: taillierte Button-Down-Hemden, Pullunder, Bundfaltenhosen und Chelsea Boots zierten fortan meinen Kleiderschrank. Und auch kulinarisch erlebte ich in London erste (vegetarische) Offenbarungen: hier kam ich erstmals in den Kontakt mit vermeintlich authentischer indischer Küche (vermeintlich, da sich Jahre später herausstellte, dass ich vorwiegend pakistanisch speiste) und erfreute mich schon früher als im Großteil Kontinentaleuropas an zahlreichen wunderbar mundenden vegetarischen Gerichten.

Von all dem wollte ich Maike ein wenig zeigen, hoffte, dass auch Maike sich zumindest ein wenig in London verguckt. Doch wo anfangen? Zumal meine Faszination Londons weniger auf bestimmte Sehenswürdigkeiten sondern vielmehr auf etwas weniger Fassbarem, vielleicht dem Puls der Stadt fusst. Man müsste ankommen, eintauchen, Zeit und Muße haben, sich treiben zu lassen. Dafür fehlte uns dann aber die Zeit. Da Maike noch nicht in London war, gab ich den Ball an sie weiter und wollte mich danach richten, was sie gerne sehen wollte.

Hunger diktierte unseren ersten Programmpunkt: Speisen. Aus Bequemlichkeit (da unmittelbar an unsere Underground-Linie angebunden) wählten wir daher als unser erstes Ziel Covent Garden. Dort verschlug es uns dann in eines der Restaurants, das uns vom ersten Eindruck her ansprach. Erfreulicherweise mundete das Essen sehr und wir genossen in vollen Zügen, uns auszuruhen und Leute zu beobachten. Müßiggang par excellence. Es könnte übler starten. Den verbliebenen Nachmittag rundeten wir dann noch mit einem Spaziergang zur (und dann an der) Themse und Flanieren am Piccadilly Circus ab, ehe es dann im abendlichen Berufsverkehr, ein wenig hektisch zurück zum Flughafen ging.

Kurz vorm Boarden folgte dann die erste böse Überraschung unserer Reise: ohne gültige Visa für Indien wurde uns der Weiterflug nach Delhi verweigert. Unser Gepäck wurde wieder ausgeladen und wir standen nachts ohne Idee, wie es denn weitergeht, desillusioniert, müde und ko in London. Mittlerweile können wir diese Episode als Anekdote verbuchen. Am Abend selbst war es aber ein Nackenschlag. Aus den angedachten 10 Stunden London wurden final drei Tage, ohne jedoch viel von London abseits des Flughafens, der U-Bahn, der Indischen Botschaft und unseren Unterkünften zu sehen. Wir waren gefangen in meiner Lieblingsmetropole und warteten doch nur auf unser Visum samt der Möglichkeit einer Weiterreise. Immerhin speisten wir die Tage gut und konnten uns gemächlich an den Linksverkehr gewöhnen. … und ein Cider war auch drin.

Dank einiger sehr hilfsbereiten Britisch Airways Mitarbeiter, die die übliche Kulanz in solchen Fällen deutlich ausweiteten, ging es Freitagmorgen dann weiter nach Indien.